Der innerliche Kampf

 

OP ja oder nein?

Sicher war diese Frage immer ein Grund für Streitigkeiten in unserer Ehe.

Man muss natürlich die Ängste meiner Frau verstehen. Es ging zuerst darum, dass der Körper und die Person, die sie kennengelernt hat, sich verändert, und nie mehr der Mann da sein wird, den sie vorher zu Gesicht bekam. Dann natürlich die hormonellen Veränderungen. Hinzu kommt, dass sie h e t e r o ist und ich l e s b i s c h bin.

Natürlich ist da immer auch die Angst vor dem Tod bei einer schiefgelaufenen OP. Man würde schließlich alle Familienmitglieder zurücklassen.

Durch schrittweises Zielpunkte-Setzen kamen wir Schritt für Schritt voran. Irgendwann konnte ich ihr verständlich machen, dass ein Rohbau, der in jahrelangem Bau und Zeitaufwendung aufgebaut worden ist, nicht in der kalten Witterung zum Abriss gebracht werden darf.

Da war dann endlich das beiderseitige OK für GaOp.

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Mein Wunsch für die Zukunft

Liebe Transvestiten, bitte klärt über Medien usw. die allgemeine Gesellschaft auf, dass ihr nicht die gleichen Zielpunkte habt wie wir TS. In Fernsehshows werden Transgender vollgeschminkt und aufgetakelt gezeigt, und dieses Bild brennt sich leider viel zu leicht in die Köpfe der Leute da draußen ein, so dass wir als Chamäleons es immer schwerer haben werden, in der Gesellschaft unsichtbar unterzutauchen und ganz normal als Frau bzw. Hausfrau zu leben.

Peace

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Verwendetes Bildmaterial
Flower / 6524872 - Kati Molin [fotolia.com]

Meine Erfahrung mit OP

Viele bekommen Herzflattern, kurz bevor es los geht, ins KrH zur GaOp zu fahren.
Um euch etwas ruhiger zu machen, erzähle ich euch wie es bei mir war.

Also mein Stichtag für den Krankenhausbesuch sollte der 4.1.10 morgens um 9 Uhr sein,
und die GaOp war geplant für den 5.1.10.
Noch jede Menge Zeit, um alles dafür zu besorgen.
Was braucht man?
3 Nachthemden, 1 Vibrator 3 cm dick und glatt, ehrlich, ich hab ihn nicht gebraucht,
1 Schreiben von der KK dass ich Mitglied bin und 2 Miederslips.
Hoffentlich vergess ich nichts.
Ach ja und nicht vergessen, 14 Tage vorher Hormone absetzen. Dafür war bei mir Stichtag der
20.12.09. Keine Sorge: Die Hormone wirken 3 Wochen weiter. Der Körper merkt das gar nicht.

Wir schreiben den 17.12.09.
Total mit Weihnachtsvorbereitungen abgelenkt. Weihnachtskarten schreiben und wegschicken.
Eltern, Schwester, meine Tochter in Bayern. Meiner Tochter Angelique teilte ich 
meine bevorstehende OP mit.
Meine andere Tochter hatte noch eine Theateraufführung mit ihrer Schulklasse zu besuchen.
Tolle Ablenkung für mich.
Unsere Tabakverkäuferin meinte zwar: Ich dachte, Sie fühlen sich mit dem bisher Erreichten
bereits wohl?
Nee, Ihr da draußen. Bis zum Schluss. Bis zum bitteren Ende. Bitter? Eher Süß.

Wir schreiben den 18.12.09.
Vielleicht sollte ich nochmal über mein bisheriges Leben nachdenken, um erneut
sicher zu sein und diesen Schritt als richtig zu bestätigen.
Ich mache hier diese HP auf. Es tut mir gut, mein Leben noch mal Revue passieren zu lassen.

Wir schreiben den 19.12.09.
Meine Schwiegermutter bemerkt sogar mein Aufgeregtsein.
Doch, obwohl ihr immer nur "Jürgen" über ihre Lippen kommt, bot sie mir 2 Nachthemden
zum Mitnehmen an. Kurz, sie versucht es, sie bemüht sich.

Wir schreiben den 20.12.09.
Heute Morgen endlich die letzte Androcur (Testosteron-Blocker) in meinem Leben.
Abends noch die letzten drei Estradiol-Tabletten (Östrogen).

Wir schreiben den 21.12. und 22.12.09.
Oh Wunder, keine Nebenwirkungen ohne Hormone.

Wir schreiben den 23.12.09.
Mein Vater hat mir nach jahrelanger Totenstille eine Karte geschickt.
Wird es einen Neuanfang für uns geben? Die Hoffnung steigt deswegen.

Wir schreiben den 24.12.09.
Heiligabend verbringen wir bei Schwiegermutter mir Würstchen und Kartoffelsalat.

Wir schreiben den 25.12. und 26.12.09.
Zwei sehr ruhige Tage mit meiner Familie, aber totale Stille in allen Räumen.

Wir schreiben den 27.12.09.
Heute wird der 1. Todestag (1 Jahr) meines Schwiegervaters gefeiert.
Nach der Kirche geht´s zum Essen ins Puszta Restaurant.
Denke mir ständig, es besteht die Möglichkeit, dass das hier das letzte Beisammensein wäre
vor dem Tod (wegen schiefgelaufener OP).
Es kam an diesem Tag das Wort Jürgen nicht zur Sprache. Meine Frau meinte nur,
hat dich ja auch keiner angesprochen.

Wir schreiben den 28.12.09.
Ein ganz ruhiger Tag.

Wir schreiben den 29.12.09.
Damit kein Krankenhaustagegeld anfällt, bei der KK Befreiungskarte abholen.
Und heute noch den Rest fürs KrH besorgen.
Miederslips, Slips, Socken, Hausschuhe. Das Geld geht rapide zur Neige.

Wir schreiben den 30.12.09.
Hab heute schon mal Abführmittel besorgt. Dulcolax Dragees. Kostet 4 € und ein paar zerquetschte.
Mein Hausarzt Dr. Ryan hat mir zugesagt Einweisung fürs KrH am Montag hinzufaxen.
Original kann ich dann nachsenden.

Wir schreiben den 31.12.09.
Heute ist Sylvester - Oh happy Day.
Mutter hat Migräne und Kopfschmerzen, also alleine feiern.
Alle sind bedrückt wegen der OP.

Wir schreiben den 1.01.10.
Hab endlich meinen Kopfhörer wieder gefunden, den ich wegen der Kehlkopfreduzierung schon in
Recklinghausen gekauft hatte.

Wir schreiben den 2.01.10.
Hab mir noch einen Kreuzworträtselblock gegen Langeweile besorgt. War im KrH wirklich froh,

ihn dabei gehabt zu haben.
Heute bekam ich beim Packen des Koffers erste Heimwehgefühle. Judith erging es nicht anders.
Abends im Bett nahm ich noch meine letzte Henkersmahlzeit ein.
Ein Schnitzelbrötchen.
Als Nachtisch gab´s die erste Abführtablette. Hoffentlich bleibt mein Bett sauber.

Wir schreiben den 3.01.10.
Ab heute nichts mehr essen. Um ruhiger zu werden. nahm ich erstmal ein angenehmes Bad
und dann ein letztes Mal rasieren. Abends letztes Verabschieden bei Mutter und nochmal
eine Abführtablette wie vom KrH-Brief gewünscht.

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Jetzt geht´s los.

Wir schreiben den 4.01.10.
6.30 aufstehen, 7.15 losfahren, 8.45 ankommen und anmelden.
Ich darf auf Station 6.
Erst Urologische Untersuchung, wegen Blut und Ultraschall. Buuh. Alles OK.
Dann EKG, danach Narkosearzt. Es soll Schmerzmittel in den Rücken geben.
Nun noch Urin-Strahl-Messung. Nach vielen, vielen Gläsern Wasser hatte ich
es endlich geschafft. Soll jetzt noch in 1,5 Stunden 2l Abführsaft schlucken.
Den ersten Liter hatte ich innerhalb 5 Min. auf ex getrunken.
Schon gab´s Tadel. Die Schwestern fanden es irgendwie nicht so lustig.
Also erst mal eine Stunde pausieren. Dann erst den Rest.
Jedenfalls hab ich durch diese Voruntersuchungen das Krankenhaus jetzt in- und auswendig
kennengelernt.
Fr. Dr. Krege sieht noch mal nach dem Rechten. Sie meint, 8.30 Uhr gehts los.
OP-Klamotten liegen bereit. Abend nochmal eine Magentablette und sich auf den
nächsten Tag freuen.

Wir schreiben den 5.01.10.
Heute soll ich neu geboren werden. Schau´n wir mal!
Morgens rasieren, waschen, OP-Haube, OP-Hemd, Thrombosestrümpfe, Beruhigungs- u. Narkosetablette.
Jetzt bis 8.30 warten. Gegen 16 Uhr bin ich wieder auf meinem Zimmer.
Happy Birthday Jacqueline.

Eine Thrombosespritze und drei Salzlösungstropfbeutel waren meine heutige Mahlzeit.
Eine wirkliche Horrornacht. Bett zu kurz und den Tropfer gegen Schmerzen im Rücken.

Wir schreiben den 6.01.10.
Endlich wird mein Bett verlängert.
Heute Morgen lag bereits ein Brief über Bestätigung der Zeugungsunfähigkeit auf meinem
Nachttischschränkchen. Das ging ja schnell!
Anuskatheter kommt raus und erhalte als Ersatz nochmal zwei Tropfer Salzlösung.
Heute durfte ich schon wieder essen, als Abendbrot noch eine Tablette.
Nachts brauchte ich einen vorgezogenen Verbandwechsel wegen austretendem Blut
aus meiner Harnröhre. Ist aber nicht weiter schlimm.

Wir schreiben den 7.01.10.
Morgens bestehe ich endlich darauf, aus dem Bett zu kommen und aufs Klo zu gehen.
Hab total wackelige Beine. Vielleicht hilft mir die Krankengymnastin beim Laufen.
Nachmittags sind wieder zwei Salzlösungen geplant. Nach der 1. Hälfte sagt der
Oberarzt: Stopp, raus mit Nadel. Abends lief das Mittel für den Rücken leer.
Um nicht ständig das Warnpiepen anhören zu müssen, entfernte man Gott sei Dank die Batterien.
Endlich Ruhe. Gute Nacht!

Wir schreiben den 8.01.10.
Morgens kam der Narkosearzt und zog den Tropfer für den Rücken raus.
Und Tschüss.
Nachmittags wieder mal Verbandwechsel mit dem Versprechen, der Oberarzt macht es am
Sonntag nochmal, dann dürfte ich wieder aus meinen vier Wänden raus und ab in den Flur.
Hoffen wir´s mal!
Mittags tauchte Fr. Dr. Schaarschmidt auf. Die Ärztin für B.-aufbau stellt fest,
bei der Nach-OP wird es so gemacht, Silikon rund und B-Körbchen.
Nach dem Abendessen rief mich Judith an und ich bekam sofort wieder Heimweh.
Doofe Flennerei. Ich muss stark bleiben.
Die Nachtschwester machte mir zum Trost alle Drainagen weg, nur nicht den Urinkatheter..

Wir schreiben den 9.01.10.
Einfach ein total toter Tag. Und ja, seit meiner OP immer noch ohne eine einzige Zigarette.

Wir schreiben den 10.01.10.
Frühstück ohne jeden Elan. Keinen Appetit. Die Schwester nervt mit Lüften. Fenster auf.
Endlich geht es los. Mit dem Bett runter zur Urologie zum Verbandwechsel.
Der Oberarzt reinigt erstmals den Stent und erklärt schon mal alles.
Da die Harnröhre leicht blutete, wollte er schon gleich anfangen zu nähen.
Bis er alles dafür vorbereitet hatte, hat es schon aufgehört.
Puh. Nix nähen.
Als er fertig war, sagte er, da er selber starker Raucher ist, kann er mir das Rauchen
nicht verwehren. Also Essen, Kaffee und dann sofort eine Zigarette.
Jetzt lacht nicht! Morgenmantel an, die Zigarette mitnehmen, die ich am Montag noch gedreht hatte,
abmelden und mit dem Aufzug runter vor die Tür. Zigarette rausholen, anzünden. Zwei Züge.
Boah. Ist mir schwindelig! Also wieder aus und rauf. Welch ein Anfang!
Nachmittags ließ ich mir das Badezimmer zeigen fürs Haarewaschen.
Endlich geht´s mir wieder gut.

Wir schreiben den 11.01.10.
Hab heute irgendwie einen seltsamen Kreislauf.
War heute auf der Waage. 65,7 kg. Hatte vorher 67 kg zu Hause.
Ich amüsiere alle Schwestern, indem ich sage, war mein Schwellkörper so schwer?
Ich hoffe, durch das Silikon mein Gewicht etwas anheben zu können.
Ich spüre wie ich geruhsamer werde. Renne momentan nicht mehr im Stechschritt und
genieße das Schlendern. Genie
ße immer mehr die Liebesfilme und Gilmore Girls.
Jetzt schlendere ich 6- bis 7-mal pro Tag für etwa fünf Minuten für eine Zigarette vor die Tür.
Die Nachmittagsvisite meinte nur, ich würde mich zu wenig bewegen.
Sehr seltsam!

Wir schreiben den 12.01.10.
Ab heute keine Medikamente mehr.
Nachmittags machte Dr. Krege bei mir den Verband weg und die Miederhose an.
Ebenfalls ein Beschreibungsblatt für den Stentwechsel zum Lesen wurde mir in die Hand gedrückt.
Es musste leider noch ein kleines Stückchen tote Haut weggeschnitten werden.
Entlassung voraussichtlich am Sonntag.
Nun rückte, nachdem ich jetzt endlich die Gelegenheit bekam, für die tolle OP zu danken,
Dr. Krege damit heraus, dass nicht sie operiert hatte, sie war zwar dabei, aber dass Dr. Bohr bei mir
operiert hatte. Schön, dass ich das auch mal erfahre.
Dr. Schaarschmidt bringt ein Silikonkissen zum Gucken mit und wir machen den Termin für den
23.03.10 fest.

Wir schreiben den 13.01.10.
Damit ich die Schwestern etwas entlaste, zeigen sie mir, wie ich den Urinbeutel selber leeren
kann. Heute darf Dr. Bohr den Stent reinigen. Endlich hab ich die Chance mich bei ihr zu
bedanken. Hab mit der Sekretärin von Dr. Krege, Fr. Wartmann, den Termin für die Nach-OP
festgelegt: 22.03. rein und 23.03.10 Nach-OP mit B.-aufbau.
Hab mich nochmal schlau gemacht, die Telefonrechnung folgt nach der Entlassung nach Hause.
Nochmal Duschgel besorgt und Haare gewaschen. Psychisch geht es mir jetzt schon wesentlich besser.
Hab auch gleich meiner Tochter geschrieben per Brief, dass ich Sonntag raus darf.

Wir schreiben den 14.01.10.
Das Labor möchte etwas Blut von mir. Dr. Schaarschmidt bringt eine Werbebroschüre vorbei.
Dr. Krege ist mit Stent-Reinigen dran.

Wir schreiben den 15.01.10.
Dr. Bohr ist mit Stent-Reinigen dran. Sie meint, Montag Entlassung, will aber Dr. Krege nochmal fragen.
Heute das erste Mal Duschen, wegen Intimdusche. Ganz schön anstrengend wegen Nach- vorne-Beugen
mit der Brause. Ab jetzt ist das Stent-Reinigen meine Sache.

Wir schreiben den 16.01.10.
Dr. Krege guckt nochmal alles genau an. Fäden werden gezogen. Den Urinbeutel bekomme ich abgeklemmt,
einen Urinbecher in die Hand gedrückt. Ihrer Aussage nach, wenn das Urinieren funktioniert,
ist Sonntag Entlassung. OK. Wasser lassen ist kein Problem und Resturin in der Blase auch nicht.
Aber am Abend bietet man mir an, über Nacht nochmal den Urinbeutel wieder dran zu machen.
Ich nahm das Angebot an. Problem war nur, dass Üben wegen Restharnmenge von vorne beginnt.
Sagt mir leider keiner.

Wir schreiben den 17.01.10.
Raus oder nicht?
Morgens also wieder Urinbeutel ab, und der Oberarzt lehnt die Entlassung ab.
Erst wieder Restharnmenge den ganzen Tag prüfen. Trinken, trinken, trinken und messen per Becher.
Heute Nacht zog ich meine Thrombosestrümpfe aus. Mein selbst auferlegter psychischer Druck
ist immens.

Wir schreiben den 18.01.10.
Ich hau ab, ich verschwinde, ich will nur raus.

Morgens kam die Visite und betrachtete meine Harndaten und Dr. Krege sagte, heute geht es heim.
Eine Ärztin aus einer Nachbarstation zog mir den Schlauch aus der Blase. Pflaster drauf.
Darf nach 24 Stunden wieder runter.
Der Entlassungsbrief lag laut den Schwestern seit Sonntag bereits auf dem Schreibtisch auf der Station.
Den bekam ich nun endlich und nun nur noch raus!
Halt, erst mal alles einpacken. Runter, abmelden. Halt, brauch noch ein paar Binden.
Ab zum Fahrzeug und losfahren. Nach ein paar Metern fängt mein Handy an zu bimmeln.
Kulturbeutel im Bad vergessen, sagt meine Frau.
Wieder zurück. Holen. Jetzt aber heim. Rein ins Fahrzeug und nur noch heim!
Ach so, wegen dem Sitzring: Meine Tochter hat mir zwar eine große Maus, die man als
Windabweiser vor die Tür legt, mitgegeben, war aber nicht nötig.
OK. Auf der Heimfahrt bin ich schon etwas auf dem Sitz herumgerutscht, bin aber heil angekommen.

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